| Die historische Stummfilm-Matinee am Sonntagvormittag hat Tradition bei femme totale.
In diesem Jahr ist die große Asta Nielsen in ihrem Film Die Börsenkönigin aus dem Jahr 1916 zu sehen. Nielsen mimt kraftvoll und dramatisch die Besitzerin einer Kupfermine, deren Ressourcen allmählich erschöpft sind.
Stummfilmbegleitung: Ruth Bieri
„Es ist zweifellos eine der größten Charakterrollen Asta Nielsens. Die dramatische Szene mit der Nielsen in voller Abendgarderobe, die durch ihre Fabrik hastet – der Kontrast, den die Frau vor der industriellen Landschaft bildet – in Tempo und Fotografie überzeugend gestaltet – ist ein memorabler Augenblick des Kinos der Zehner Jahre.“ (Eric de Kuyper)
Vortrag
Die Frankfurter Filmhistorikerinnen Heide Schlüpmann und Karola Gramann (Kinemathek Asta Nielsen) führen in den Film und das Werk des Stummfilmstars ein. Wie alle ihre Filme enthält auch Die Börsenkönigin ein Moment der Selbstdarstellung und der Selbstreflexion. Die Nielsen konnte 1916 auf eine – künstlerisch und finanziell – erfolgreiche Karriere zurückblicken, die sie mit der Projektions-AG Union in Deutschland 1912 begonnen hatte. Sie war dort nicht nur als Schauspielerin unter Vertrag genommen, sondern auch als Mitproduzentin ihrer Filme. Die Nielsen hat die Konflikte der Frauen in der patriarchalen Gesellschaft, die Kollision ihrer Leidenschaften mit der Rücksichtslosigkeit der bürgerlichen Männerwelt, wieder und wieder dargestellt. In Die Börsenkönigin zeigt sie, wie dieser Konflikt von den Frauen, die sich emanzipieren, an sich selber ausgetragen werden muss.
Vorfilm mit Live-Musik
Kein Stummfilm ohne Vorprogramm. Die kurze italienische Stummfilm-Komödie Tragedia al Cinematographo ist eine jener selbstreflexiven Komödien, die das Kino selbst zum Thema haben: Ein eifersüchtiger Ehemann folgt seiner lebenslustigen Gattin, die vor dem Kino mit einem anderen Mann plaudert. Überzeugt, dass sie sich gemeinsam mit ihrem mutmaßlichen Liebhaber im Kinosaal vergnügt, bahnt sich Antonio seinen Weg ins Kino und droht dem Geschäftsführer, er werde seine untreue Gattin erschießen.
Die musikalische Begleitung entsteht während des Festivals im Filmmusik-Workshop unter der Leitung der Schweizer Musikerin Ruth Bieri und wird in der Matinee von den Musikerinnen des Workshops uraufgeführt.
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